Warum ist Selbstberührung für dich ein wichtiges Thema?
Weil es für mich lange ein schwieriges Thema war. Ich habe Selbstbefriedigung früher oft als etwas Gehetztes erlebt, getrieben von Fantasien und Pornos, die wenig mit mir selbst zu tun hatten. Es ging viel um Leistung, um schnelle Befriedigung. Dabei blieb die echte Verbindung zu mir auf der Strecke. Erst durch meine Reise im Tantra habe ich gelernt, dass Selbstberührung auch ein Raum für Achtsamkeit und Selbstliebe sein kann. Und dass es nicht nur um ein Ziel geht, sondern um das Fühlen an sich. Gleichzeitig finde ich es wichtig zu betonen, dass es auch einen Berechtigung haben kann, sich einfach mal „einen runterzuholen“. Es geht nicht darum, das eine durch das andere zu ersetzen, sondern beides nebeneinander existieren zu lassen – und Achtsamkeit ergänzend einzuladen, wenn es sich stimmig anfühlt.

Was waren deine größten Herausforderungen auf diesem Weg?
Ehrlich gesagt war Scham ein großer Punkt. Scham darüber, wie mechanisch das Ganze oft war. Und auch die Angst, nicht „richtig“ zu sein. Ich hatte lange das Gefühl die Frequenz mit der ich meine Selbstbefriedigung habe betrieben habe, sei nicht normal. Ein weiterer großer Faktor war meine Sozialisation mit Pornos. Das hat ein Bild von Sexualität geprägt, das sehr auf Leistung, Perfektion und schnelle Befriedigung ausgerichtet war. Diese Prägungen begleiten mich teilweise bis heute. Es ist immer noch ein Kampf, mich davon zu lösen und neue, liebevollere Wege zu finden. Echte Intimität mit mir selbst hat viel mit Loslassen zu tun – loslassen von Erwartungen und Bildern davon, wie etwas sein sollte.

Wie hat sich dein Blick auf Selbstberührung durch Tantra verändert?
Es war eine Art Befreiung, aber keine, die einfach so passiert ist. Plötzlich ging es nicht mehr darum, etwas „abzuarbeiten“ oder ein Ziel zu erreichen. Sondern darum, den eigenen Körper neugierig und liebevoll zu erkunden. Mich wirklich zu spüren, ohne Druck. Das hat viel mit Langsamkeit zu tun, mit Atem, mit bewusstem Wahrnehmen. Und auch mit der Erlaubnis, dass nichts passieren muss. Manchmal ist es einfach nur eine Berührung, die mir zeigt: Ich bin da. Ich fühle mich. Wobei es mir erstmal leichter fiel diese neue Facette in mein partnerschaftliches Liebesleben zu integrieren und andere Menschen liebevoll zu berühren, bei mir selbst hat das ein bisschen länger gedauert…

Was bedeutet für dich achtsame Selbstberührung heute?
Ein Moment der Verbindung. Ein Raum, in dem ich neugierig sein darf auf das, was ich spüre. Ohne Erwartung, ohne Ziel. Ich lasse mir Zeit, erkunde, was sich gut anfühlt, wo mein Körper vielleicht Grenzen setzt. Und ich übe mich darin, auch diese Grenzen wertzuschätzen. Es ist eine Einladung, liebevoll mit mir selbst zu sein. Aber auch das gelingt mir nicht immer. Manchmal verfalle ich in alte Muster, und das ist okay. Wichtig ist für mich, dran zu bleiben und mich selbst nicht zu verurteilen.

Was wünschst du dir, wie andere Männer das Thema sehen?
Ich wünsche mir mehr Offenheit. Weniger Leistungsdruck. Mehr Mut, sich selbst wirklich zu spüren und sich auch verletzlich zu zeigen. Selbstberührung ist nichts, was man „konsumiert“. Es ist etwas, das Verbindung schafft. Und ja, das kann auch herausfordernd sein, aber es ist auch eine unglaubliche Chance für mehr Selbstliebe und echte Intimität.

Hast du Tipps oder kleine Rituale, die helfen könnten?
Nimm dir Zeit. Atme bewusst. Vielleicht zündest du eine Kerze an oder legst Musik auf, die dich entspannt. Berühre dich ohne Ziel, ohne die Absicht, „etwas zu erreichen“. Fühle die Berührung an der Haut, spüre, was dich bewegt. Und wenn Scham oder Gedanken auftauchen, heiße sie willkommen. Sie gehören auch zu dir. Und wenn du merkst, dass es schwerfällt, dann ist das okay. Es ist kein Wettbewerb.

Zum Abschluss: Was möchtest du den Lesern mitgeben?
Sei sanft mit dir. Selbstberührung ist eine Einladung, dich selbst liebevoll zu begegnen. Es braucht keine Perfektion, kein „richtig“ oder „falsch“. Es braucht nur dich und die Bereitschaft, dich selbst neu kennenzulernen. Und vielleicht wird daraus eine Reise, die tiefer geht, als du es je erwartet hättest. Und wenn es mal schwerfällt, dann ist das kein Rückschritt, sondern einfach Teil des Weges.